· 

100.000 Mütter auf der Straße – und kein Mensch berichtet

Stell dir vor, deine Mutter bittet dich um Hilfe und du sagst: Nö! Zugegeben, das habe ich schon oft gemacht – und erlebe es jetzt selbst praktisch jeden Tag.

 

„Deck den Tisch!"

„Nö!"

„Räum dein Zimmer auf!"

„Nö!"

„Mach jetzt bitte deine Hausaufgaben!"

„Nööö!"

 

Wir kämpfen jeden Tag darum, dass unsere Kinder auf uns hören. Aber wenn eine ganze Gesellschaft nicht darauf hört, was wir brauchen und uns selbst die Väter der Kinder oftmals ignorieren, warum sollten es unsere Kinder dann anders machen?

Eine Demo, über die niemand berichtet

Am 09.05.2026 war ich mit den 100.000 Müttern in Berlin auf der Straße. Wir haben demonstriert. Für mehr Sichtbarkeit, unsere Rechte und gelebte Gleichberechtigung. Gegen Gewalt, Armut und Ignoranz. Aber keiner hat darüber berichtet. Es gab diesen einen Spiegel-Artikel, der hinter einer Paywall klemmt, und in der Vorberichterstattung eine Erwähnung in der Druckausgabe der Süddeutschen Zeitung.

Medien wie familie.de wussten zwar von der Demo, waren auch fast bereit, die Organisatorinnen zu unterstützen – aber dann traten die politischen Forderungen doch irgendjemandem auf den Schlips und es wurde aus internen Gründen von der Unterstützung abgesehen. Wow.

Demonstration 100.000 Mütter vor dem Brandenburger Tor 2026
Demonstration 100.000 Mütter vor dem Brandenburger Tor 2026

Sind Mütter wirklich so unsexy?

Mütter-Themen sind unsexy – das habe ich im Nachgang öfter gehört. Eine Podiumsdiskussion, die ich gemeinsam mit Nanda Ben Chaabane und Prof. Dr. Svenja Krämer in den Kammerspielen Kleinmachnow organisiert hatte – um über die Inhalte der Demo und die Forderungen von Müttern zu sprechen – wurde von exakt 0 Teilnehmenden besucht. Wahnsinnig schade, denn Mütter haben sowieso schon so wenige Bühnen, auf denen sie über sich sprechen können.

 

Sind Mutterschaft und all die Themen drumherum wirklich so unsexy? Sind Mütter, die tagtäglich mentale und emotionale Aufgaben bewältigen, als wäre es ihre von Gott gegebene Bestimmung, wirklich so uninteressant? Ist eine Frau, die Kinder hat, Karriere macht, die Gefühle der ganzen Familie co-reguliert, den Einkauf, das Abendessen und den Urlaub plant, die Geburtstage von allen im Kopf hat und weiß, welche Schuhgröße und Kleidergröße jedes einzelne Mitglied ihres Haushalts hat, wirklich so langweilig? Oder ist sie eigentlich das spannendste und faszinierendste Wesen in unserer gesamten Gesellschaft?

 

Sie ist auf jeden Fall die Person, die am meisten unterrepräsentiert ist. In der Politik, in der Arbeitswelt und im privaten Umfeld. Bei uns bestimmen die Personen, die Geld haben, in der Zeit, in der Mütter die Kinder von der Schule abholen oder in den Schlaf begleiten, über Struktur, Verteilung und Bedürfnisse. Sie wird nicht mitgedacht, weil sie unsichtbar ist. Sie wird vergessen, weil sie in den Wäschebergen und Besorgungen untergeht.

Die Zahlen hinter der Unsichtbarkeit

In Deutschland leben 20,3 Millionen Mütter [Statistischen Bundesamtes 2022]. Schaut man sich die Statistiken an, sind viele von ihnen von Armut bedroht und gesundheitlich angeschlagen. Die Lage ist so bedenklich, dass die Geburtenrate aktuell auf einem historischen Tiefstand ist. Die jungen Menschen von heute möchten keine Kinder in dieser Welt gebären und nicht so enden wie ihre Mütter. Erschöpft, verbittert und mittellos.

 

Warum also interessiert sich niemand für Mütter-Themen, die eigentlich uns alle angehen? Was passiert denn, wenn keiner mehr Lust, Kraft und Motivation hat, kleine Menschen in die Welt zu setzen, damit sie große, gesunde Menschen werden, die Jobs übernehmen wie Brötchen backen, Müll leeren, Alte pflegen usw.?

 

Das Erschreckende ist: Wenn man täglich erlebt, dass all die Dinge, die man als Mutter leistet, abgewertet werden, als selbstverständlich betrachtet werden und schlicht unbezahlt und unsichtbar sind, dann nimmt man sich selbst nicht mehr ernst. Mütter kritisieren sich selbst und andere Mütter so hart, dass es gruselig und schmerzhaft ist. Meistens sogar „gut gemeint".

Was ich daraus gemacht habe

Ich bin frühzeitig aus diesem Karussell ausgestiegen. Mir geht es besser, wenn ich mich selbst und meine Bedürfnisse ernst nehme, auch wenn mein Kind zu mir Nö sagt. Und ich habe mehr als einmal erlebt, wie heilsam es ist, gehört zu werden — von meinem Partner, von ehrlichen Mamas, in einem Frauenkreis, den ich selbst seit Jahren besuche. Deshalb baue ich diese Räume auch selbst. Weil Mütter, die füreinander da sind, aufhören zu verschwinden. Eine Mutter, die sich selbst ernst nimmt, ist nicht egoistisch. Sie ist der Grund, warum das System überhaupt noch steht.

 

Ich kenne keine Mutter, die ihre Energie und Kraft nur für sich einsetzt. Und genau das ist es, was die Gesellschaft verstehen muss. Starke Mütter und Frauen sind keine Bedrohung für das Patriarchat. Sie sind eine Kraftquelle für alle.

Räume, die dich stärken

Wenn du Räume suchst, die dich stärken – als Mutter und Frau – dann lade ich dich zur Wild Mom Journey oder in meine Telegram-Gruppe „Echte wilde Anerkennung"  ein. Du bist willkommen, egal wie du dich gerade fühlst. Ob wertlos, kraftvoll, müde, unsichtbar oder gesehen: Wild Moms sind füreinander da und jeder Kontakt mit uns wird dich stärken.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0